Der Stolz-Scham-Zirkel: Warum viele lieber scheitern als fragen
Diese Woche. Chat mit Stefan, CEO einer IT-Firma.
Er schreibt mir, weil er meinen Content sieht. Erzählt ein bisschen. Dann der Satz: „Naja, Aufträge könnten mehr sein. Ist gerade zäh.“
Ich frage nach. Nicht um zu verkaufen. Aus echtem Interesse.
Und plötzlich: „Ach, eigentlich läuft’s ganz gut. Alles im grünen Bereich.“
Innerhalb von drei Nachrichten – vom Hilferuf zur Fassade. Ich kenne das Muster. Ich sehe es jede Woche.
Die Mauer, die niemand sieht
Menschen, bei denen es offensichtlich nicht rund läuft, die aber alles dafür tun, dass bloß niemand das mitbekommt. Und ich verstehe es.
Da ist Scham. Das Gefühl, versagt zu haben. Da ist die Angst, als bedürftig wahrgenommen zu werden. Da ist der Gedanke: Wenn ich zugebe, dass es nicht läuft, dann kommen die Geier.
Also Fassade hoch. „Läuft bei mir.“ „Alles super.“ „Bin gut ausgelastet.“
Und dann passiert etwas Interessantes.
Die Ironie, die weh tut
Stefan hat mein Profil gesehen. Marketing-Training. Verkaufspsychologie. Und sein erster Impuls war: bloß nicht zugeben, dass es hakt. Sonst will der mir was verkaufen.
Das ist ein Schutzmechanismus. Aber hier wird es schmerzhaft: Wer so eine Abwehrhaltung gegen Verkaufen hat, gibt sich unbewusst selbst die Antwort, warum es nicht läuft.
Denn wenn du schon beim bloßen Gedanken, dass dir jemand etwas anbieten könnte, in den Verteidigungsmodus gehst:
- Wie gehst du dann selbst auf potenzielle Kunden zu?
- Wie präsentierst du dein Angebot?
- Wie führst du Gespräche, in denen es ums Geld geht?
Die Wahrheit ist: Du behandelst Verkaufen wie etwas Schmutziges. Und deshalb fühlst du dich schmutzig, wenn du es tun müsstest.
Warum die Fassade das Problem verstärkt
Die Scham, dass es nicht läuft, erzeugt Vermeidung. Die Vermeidung tarnt sich als Stolz: „Ich lass mir doch nichts andrehen.“
Aber eigentlich schützt sie vor der unbequemen Wahrheit: Du müsstest aktiv werden. Und das fühlt sich unangenehm an.
Also lieber die Fassade pflegen. Lieber so tun, als wäre alles okay. Während die Situation sich nicht verbessert. Während die Rücklagen schrumpfen. Während die Scham größer wird.
Ein Teufelskreis, der sich selbst füttert.
Der unbequeme Ausweg
Verkaufen ist nicht das Problem. Verkaufen ist der Weg raus aus der Situation, die dir Scham macht.
Nicht das schmierige „Kauf jetzt!“-Verkaufen. Sondern: klar kommunizieren, was du kannst. Für wen. Und warum es sich lohnt.
Menschen, bei denen es läuft, haben keine magischen Fähigkeiten. Sie haben nur irgendwann aufgehört, Verkaufen als Angriff zu sehen. Sie haben verstanden: Wenn du etwas anbietest, das jemandem hilft – dann ist Verkaufen ein Dienst.
Was wäre, wenn?
Was wäre, wenn du aufhörst, dich für deine Situation zu schämen?
Was wäre, wenn du aufhörst, eine Fassade zu bauen, die dich Energie kostet – Energie, die du für dein Business bräuchtest?
Was wäre, wenn deine Abneigung gegen Verkaufen genau der Grund ist, warum du verkaufen lernen solltest?
Nicht, um jemand anderes zu werden. Sondern um endlich das zu bekommen, was du verdienst.
Wo bleibt bei dir Umsatz liegen?
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