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Artikel · 20. Dezember 2025 · 2 Min. Lesezeit

Das Problem mit Unternehmern, die „ihre Zielgruppe kennen“

Vorgestern. Call mit einem Geschäftsführer. 25 Jahre im Geschäft.

Er sagt: „Ich kenne meine Zielgruppe besser als jeder andere.“

Zwei Fragen später war er still. Und genau das ist das Muster, das ich aktuell täglich sehe – auf Top-Level, bei Geschäftsführern, bei erfahrenen Unternehmern.

Das Wissen über die Zielgruppe ist vorhanden. Aber es ist falsch verortet.

Beispiel 1: Das vermeintliche Problem

Anbietersicht: „Unsere Zielgruppe braucht mehr Sichtbarkeit.“

Kundensicht: „Ich investiere Zeit und Geld, aber es kommen zu wenig Anfragen und Aufträge rein.“

Der eigentliche Schmerz liegt nicht bei Sichtbarkeit. Er liegt bei Unsicherheit.

Was passiert, wenn nichts passiert? Entscheidungen ziehen sich. Vertrieb fühlt sich zäh an. Bei jedem neuen Lead fängst du wieder bei Null an.

Solange diese Konsequenz nicht benannt wird, laufen Marketing und Verkauf nur mit angezogener Handbremse. Social Media, Webseite, Verkaufsgespräche – alles hübsch und nett, aber nichts davon zündet so richtig.

Beispiel 2: Das falsch verstandene Ziel

Anbietersicht: „Unsere Kunden wollen skalieren.“

Kundensicht: „Ich will nicht jeden Monat neu kämpfen müssen.“

Skalierung ist kein Wunsch. Sie ist ein Mittel.

Was ist das eigentliche Ziel? Planbarkeit. Wachsen, ohne noch mehr ackern zu müssen. Weniger Getriebensein im Alltag.

Wer nur das scheinbare Ziel benennt, redet am Kunden vorbei.

Beispiel 3: Erfahrung als Risiko

Das trifft vor allem die mit 10, 20, 30 Jahren Erfahrung. Je länger es gut lief, desto weniger wird hinterfragt. Sätze wie:

  • „Das kennen wir aus der Branche.“
  • „Unsere Kunden ticken so.“
  • „Das war schon immer ihr Hauptproblem.“

Was dabei übersehen wird: Märkte verändern sich schneller als Selbstbilder.

Das Ergebnis? Marketing fühlt sich korrekt an, wirkt aber stumpf. Der Kunde denkt „nice to have“ statt „das ist genau das, was ich brauche“.

Nicht, weil das Angebot schlecht ist. Sondern weil es an dem vorbeigeht, was der Kunde wirklich will.

Die unbequeme Wahrheit

Es mangelt nicht an Hacks, Automatisierungs-Tools oder coolen Slogans.

Der blinde Fleck liegt woanders: Die meisten Unternehmen reden über vordergründige Probleme. Aber nicht über das, was ihren Kunden wirklich den Puls hochtreibt.

Je länger du erfolgreich bist, desto gefährlicher ist dein Bauchgefühl. Nicht weil es falsch ist. Sondern weil du aufgehört hast, es zu hinterfragen.

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